04.12.2018 10:04:00
von Dr. Winfried Breil

Die Pflege alter Menschen hat mehrere Gesichter

Die Senioren-Union Baden-Württemberg ist Mitglied des Landesseniorenrats e.V., der parteipolitisch neutral sein will (§ 2, Abs. 4, Satzung von 2013) und jährlich eine Mitgliederversammlung veranstaltet. An der diesjährigen Versammlung in der Evangelischen Heimstiftung in Stuttgart nahm als Delegierter des Seniorenunion-Landesverbandes Dr. Winfried Breil teil. Das Hauptreferat zum Thema „Situation der Pflege in Baden-Württemberg“ hielt Dr. Angela Postel, Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.

Angela Postel, Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg / Foto: W. Breil
Die Pflege in der Demographie-Falle

Auf der Grundlage der einschlägigen Gesetze (Pflegepflichtversicherung, Pflegestärkungsgesetz I-III, Pflegepersonalleistungsgesetz, Landespflegestrukturgesetz und Landesheimbauverordnung) führte Dr. Angela Postel aus, dass der demographische Wandel eine große Herausforderung für die nächsten Jahre sein würde. Die Menschen würden immer älter, möchten möglichst lange daheim und im eigenen Quartier wohnen, besonders nach Krankenhausaufenthalten sei oft eine Kurzzeitpflege nötig, die pflegenden Angehörigen und die Pflegebedürftigen selbst wollten individuelle Beratung. Pflegestützpunkte als Anlauf- und Beratungsstellen wurden eingerichtet, häusliche Pflege rund um die Uhr wünschten viele und in den Pflegeheimen gebe es das Ein-Zimmer-Gebot.

Derzeit würden rund 890.000 Menschen in Heimen betreut, und infolge der Einrichtung der 5 Pflegegrade werde es in den nächsten Jahren bis zu 850.00 neue zu pflegende Personen geben. Der Pflegefachkräftemangel werde sich deutlich verschärfen. Deshalb sollen in den kommenden Jahren 13.000 neue Stellen geschaffen werden. Alle diese Aktivitäten würden enorme Kosten verursachen, und so werde bereits zum 1 Januar 2019 der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung um 0,5 Prozent erhöht, was sicherlich nicht reichen werde. Andererseits sei die Zahl der Einzahler immer kleiner geworden, so dass die Pflege insgesamt in die Demographie-Falle laufen werde, wenn keine anderen Wege beschritten würden.

 

Die Pflege als Armutsfalle

Einerseits ist es zwar erfreulich, dass heute die Menschen immer länger leben, andererseits ist die Pflege aber teuer, besonders die stationäre in Pflegeheimen. Die durchschnittliche Rente im Monat liegt derzeit bei etwa 1.200 €, die Kosten für einen Pflegeplatz können über 4.000 € im Monat betragen, so dass eine Lücke von bis zu 2.800 € entsteht. Wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind, müssen das Haus oder die Wohnung verkauft werden, und dann werden die Kinder herangezogen und am Ende ist die Pflegeperson ein Fall für die Sozialhilfe. Auf diese Weise findet eine schleichende Enteignung statt.

 

Die Pflege als Milliardengeschäft

Die Pflege in Deutschland ist somit ein risikoloses Milliardengeschäft, denn am Ende zahlt auf jeden Fall die Sozialhilfe. Die Evangelische Heimstiftung in Stuttgart ist der größte Arbeitgeber der Altenpflege in Baden-Württemberg mit beispielsweise 86 Pflegeheimen für 6.745 „Kunden“, wie sie ihre Pflegebedürftigen selbst nennt, sie besitzt 54 Betreute Wohnanlagen für 1.470 Menschen und 27 Standorte Mobile Dienste für 2.360 „Kunden“ und betreut insgesamt 11.400 Menschen mit 8.100 Mitarbeitern (Quelle. Geschäftsbericht).

 

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