03.09.2019 09:48:00
von Dr. Winfried Breil

Stärken und Schwächen in der Tourismusbranche des Landes

In unterschiedlichsten Themenbereichen setzte sich - unter der Leitung von Dr. Patrick Rapp MdL - der CDU-Landesfachausschuss Tourismus mit den Stärken, aber auch mit den Schwächen im Tourismus des Landes auseinander und bewertete sie kritisch. Die „Tourismuskonzeption Baden-Württemberg 2019“ soll eben nicht ein Projekt von Propaganda und Schönreden sein, wie Dr. Winfried Breil als Vertreter des Landesverbands der Senioren-Union feststellte.

Radeln durch das Donautal / Foto: W. Breil (Quelle: Tourismuskonzeption)

Natur, Wandern, Radfahren

Eine Stärke des Landes ist die große Zahl an Naturschutzgebieten: sieben Naturparks, zwei UNESCO-Biosphärengebiete, ein Nationalpark und ein UNESCO-Geopark,. Aber diese Ziele sind leider meist schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Zudem schaden die Flächenversiegelungen durch Städte, Gemeinden und Verkehrsinfrastruktur der landschaftlichen Attraktivität.

Einerseits gibt es zwar eine bundesweite Vorreiterrolle im Sektor Nachhaltigkeit („Nachhaltiges Reiseziel“, „Grüner Süden“), andereseits haben aber die Akteurinnen und Akteure im Tourismus nach eigener Auskunft wenig Wissen darüber, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet.

Ein Pluspunkt sind außerdem die sehr guten Wander- und Radfernwege im Land mit dazu passenden Gastgebern („Wanderbares Deutschland“, „Bett & Bike“). Allerdings geht die Anzahl der zertifizierten Bett & Bike-Betriebe zurück.
 

Gesundheit und Wellness

Eine große Stärke sind die insgesamt 56 Heilbäder und Kurorte mit Prädikat und hohem, zum Teil internationalen Bekanntheitsgrad („Bäderland Nr. 1 in Deutschland“, „Wellness Stars“), aber privat motivierte Gesundheitsreisen ins Land sind eher selten. Die Gäste kommen eben über die Krankenkassen. Außerdem sind Gesundheitseinrichtungen, Hotels, Pensionen, Privatunterkünfte und Infrastruktur leider nicht immer und überall auf der Höhe der Zeit.

Kunstausstellung in Mannheim / Foto: W. Breil (Quelle: Tourismuskonzeption)

Städte- und Kulturtourismus

Im Land gibt es viele Groß-, Mittel- und Kleinstädte, die auch kulturell gefördert werden, aber die Kulturförderung fokussiert sich auf die Städte und vernachlässigt bei Finanzierung und Personal der Kultureinrichtungen den ländlichen Raum.

Ein großes Plus ist das hochqualitative Kultur-, Kunst- und Museumsangebot, die vielen attraktiven Burgen, Schlösser und Gärten sowie die sechs UNESCO-Welterbestätten, aber die Kooperation im ländlichen Raum muss verbessert werden.
 

MICE-Tourismus

Eine große Stärke bedeutet die hohe Wirtschaftskraft mit zum Teil international bekannten Messe-, Kongress- und Tagungsstandorten, doch es existiert wenig Vernetzung von Wirtschaft und MICE-Bereich (Meetings, Incentives, Conventions, Events). Leider fehlt auch eine Vermarktung über das Land hinaus als MICE-Ziel.
 

Hotellerie, Gastgewerbe und Marketing

Morgenstimmung am Schluchsee / Foto: W. Breil (Quelle: Tourismuskonzeption)

Das ist das große Sorgenkind. Einerseits gibt es zwar viele ausgezeichnete und wettbewerbsfähige Hotels, Pensionen, Privatunterkünfte und Restaurants, aber leider auch viele Probleme: Fachkräftemangel, sehr viele Abbrüche während der Ausbildung, mangelhafte Qualifikation der Ausbildungsbetriebe, nicht geklärte Nachfolge im Betrieb und fehlende Investitionen und Innovationsstau.

Im ländlichen Raum müssen der Breitbandausbau und die zum Teil schlechten Verbindungen im ÖPNV verbessert werden.

Besonders in den Städten sind Defizite in Qualität und Service in den Hotels vorhanden.

Ein weiteres Problem sind die unflexiblen Arbeitszeiten, wobei es darum geht, wie bei gleicher Arbeitszeit von beispielsweise 40 Stunden pro Woche die Arbeit flexibler organisiert wird. Es geht nicht darum, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen, sondern es geht um eine flexible Verteilung, was sicherlich eine große Herausforderung für Gastronomen, aber auch für Gewerkschaften bedeutet.

Beim Marketing fällt auf, dass die Akteure einerseits zufrieden sind mit der „Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg“ und der Werbung für die bekannten Regionalmarken Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb und Region Stuttgart, aber auf der anderen Seite existiert leider immer noch ein signifikantes Kirchturmdenken auf lokaler Ebene.

(Quelle: Tourismuskonzeption Baden-Württemberg 2019. Stuttgart 2019, S. 113-116, mit Verweis auf „dwif e.V.“ München 2018)

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