19.12.2018 18:35:00
von Dr. Winfried Breil

Rente, Demographie-Falle und „Stellschrauben“

Zum Thema „Die Rente und ihre Zukunft“ referierte vor dem Landesvorstand der Senioren-Union Dr. Winfried Breil, selbst Mitglied dieses Gremiums, indem er die Rentenproblematik mit zahlreichen Statistiken kritisch unter die Lupe nahm.

Die Präsentation von Dr. Winfried Breil zur Rententhematik ist hier per Klick abrufbar.

Die tragenden Säulen der Altersvorsorge / Abbildung: 3 piliers-infographie-de

Demographie-Falle und „Stellschrauben“ bei der Rente

Der demographische Wandel ist der Dreh- und Angelpunkt des Problems: Immer mehr Menschen werden immer älter und sind deshalb auch länger in Rente. In Zukunft soll das Durchschnittsalter der Deutschen 90 Jahre sein! Das ist einerseits zwar erfreulich, doch auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Jüngeren immer mehr ab, so dass die Gesellschaft in die Demographie-Falle läuft.

Wir haben in Deutschland 21 Mio. Rentner bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 80 Mio., das sind rund 25 Prozent, und der Bundeszuschuss zur Rentenkasse beträgt 86 Mrd. €, denn mittlerweile fließt immerhin jeder 4. Euro des Bundeshaushalts in die Rentenkasse (2018). Der demographische Wandel wird sich in den nächsten Jahren auch noch verstärken, denn geburtenstarke Jahrgänge kommen dann ins Rentenalter.
Es gibt zwar schon heute verschiedene „Stellschrauben“ zur Bewältigung dieses großen Problems, doch wird sich in Zukunft erst noch zeigen, welche Regelungen auch die Akzeptanz der Menschen finden werden. Klar dürfte allerdings schon jetzt sein, dass das Umlageverfahren von 1957 als alleiniges Modell nicht mehr funktionieren wird.

Rentenbeitrag, Rentenniveau, Lebensarbeitszeit und Steuern

Der Rentenbeitrag von 18,6 %, bis 2023 festgeschrieben, wird bis 2032 auf 22,5 % prognostiziert. Das Rentenniveau von derzeit 48,1 % soll bis 2030 nicht unter 45 % sinken, aber bis 2045 sind 41,6 % im Gespräch. Finanzminister Olaf Scholz will das Rentenniveau bis 2040 festschreiben, erklärt aber nicht plausibel, wie er das finanzieren will.

Die Lebensarbeitszeit soll bis 2030 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben werden. Schon heute arbeiten 2,1 Mio. Rentner nebenher, weil sonst das Geld nicht reicht. 80 % der Bevölkerung fürchtet, dass ihre gesetzliche Rente nicht ausreichen werde. Private Vorsorge in Form einer Lebensversicherung oder von Immobilien- und Aktienbesitz kommt für viele Menschen nicht in Betracht. Die Erhöhung der Steuern für die Rentenfinanzierung sowie die Finanzierung der Rente ausschließlich durch Steuern sind ebenfalls in der Diskussion.

Riester-Rente, Rürup-Rente, Flexi-Rente und 3-Säulen-Modelle

Die Riester-Rente von 2002 hat den Nachteil, dass sie in der Auszahlungsphase zu 100 Prozent versteuert werden muss. Die Rürup-Rente von 2005 hat den Nachteil, dass sie ausschließlich kapitalgedeckt ist. Die Flexi-Rente von 2017 sieht eine Weiterarbeit nach Rentenbeginn mit flexiblem Renteneinstieg vor.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass beispielsweise in Dänemark, Schweden und der Schweiz sogenannte 3-Säulen-Modelle favorisiert werden, die neben einer obligatorischen staatlichen Vorsorge noch eine berufliche Vorsorge und als dritte Säule eine freiwillige, steuerlich begünstigte private Vorsorge vorsehen.

Nicht nur die ältere Generation fragt nach den Perspektiven der Rente / Foto: Lebensabend

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