13.03.2019 08:34:00
von Claus Bühnert

Das Land der Tüftler und Denker muss sich sputen

Während das Silicon Valley pro Jahr über 20 Milliarden US-Dollar auf den Finanzmärkten für Startups generiert, sind es in Baden-Württemberg etwas über 70 Millionen EURO. Dies sagt alles. Und auch wenn Geld nicht allein glücklich macht bzw. - in diesem Fall - nicht immer den Erfolg garantieren kann, so ist es dennoch die Grundvoraussetzung. Der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung, weil diese ihrerseits eng mit Startups in Verbindung steht, wird hier einmal mehr deutlich.

Gegenwärtig sinkt das Gründungsgeschehen in Bund und Land sogar. Berlin und Bayern sind dabei noch die erfolgreichsten Bundesländer. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg hat indes den Handlungsbedarf erkannt und die Kampagne Start-up BW“ gestartet. Dazu wurden neun sog. Start-up-Ökosysteme identifiziert. Das sind Regionen, in denen viele Partner, Netzwerke und Institutionen für ein gründerfreundliches Klima sorgen - so das Wirtschaftsministerium. Schon im Ansatz, Existenzgründerinnen und -gründer im Land durch Vernetzung in ihrem Standortumfeld und mit relevanten Einrichtungen zu unterstützen, springt das allerdings zu kurz. Die weit verstreute geografische Verteilung im Land - typisch für die Strukturpolitik hierzulande - entfacht allenfalls lokale Leuchtfeuer, wo globale Leuchttürme (oder wenigstens mal einer) erforderlich wären. Die Antwort auf die internationalen Anforderungen findet sich nicht in einem regionalen Karomuster. Hier muss auch ein Umdenken bei den Mandatsträgern erfolgen.

 

Standpunkte für die politische Arbeit

An die Landespolitik hat die Kommission Digitalisierung - in der auch der Internetbeauftragte der Senioren-Union Baden-Württemberg, Claus Bühnert, Mitglied ist - eine Reihe von politischen Standpunkten adressiert:

1. Wir müssen mehr Verständnis für das Unternehmertum und ganz generell für das Ökosystem „Startup“ schaffen. Hier gilt es an unseren Schulen und Hochschulen anzusetzen.

  • Das Thema „Startups“ muss in unsere Bildungspläne, damit Einblicke in das Ökosystem gewährt und Rahmenbedingungen aufgezeigt werden.
  • An Schulen, Hochschulen und Universitäten brauchen wir Experimentierräume als Orte der Inspiration und Innovation für junge Menschen.
  • Wir müssen das Potential unserer Hochschulen nutzen und Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen stärken. Dabei dürfen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht vergessen werden.

2. Wir wollen auch älteren Menschen Chancen und Möglichkeiten eröffnen, neue Wege zu gehen.

  • Lebenslanges Lernen darf keine Floskel sein, sondern ist Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen im Berufsleben. Hierfür ist Qualifizierung und Weiterbildung die Voraussetzung.
  • Co-Working-Spaces“ und „Maker Spaces“, in der Stadt und auf dem Land, sind notwendig, um Menschen neben Beruf und Privatleben in besonderer Umgebung die besten Voraussetzungen für ihre Ideen zu bieten.

3. Die baden-württembergische Landesregierung muss ein Leuchtturmprojekt für Startups ins Leben rufen, welches notwendige internationale Aufmerksamkeit und damit Wagniskapital/Venture Capital ins Land ziehen wird. Davon werden dann auch kleinere „Cluster“ in der Fläche des Landes profitieren. Wir brauchen einen goldenen Mittelweg zwischen Regionalität und Zentralisierung.

4. Wir müssen die Finanzierung von Startups auf ein breites Fundament stellen. Neben staatlichen Fördermöglichkeiten bedarf es besserer steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten für Investoren, sowie ein standardisiertes, vom Finanzamt anerkanntes Mitarbeiter-beteiligungsprogramm und die Möglichkeit, dass Pensionskassen in „Startup-Fonds“ investieren dürfen.

5. Wir müssen das Gründen in Baden-Württemberg „sexier“ machen. Es soll nach Schweizer Vorbild (https://www.digitaltag.swiss/en/) ein „Digitaltag“ in Baden-Württemberg (quasi einen Tag der offenen Tür für Startups) etabliert werden im Rahmen der Digitalgermany Initiative (https://digitalgermany.org). Dieser soll Startups die Möglichkeit geben, sich an öffentlichen Orten, wie z. B. Bahnhofshallen, der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

6. Wir brauchen ein funktionierendes Controlling bei der Vergabe von Fördermitteln an Startups, denn bislang wird die Wirkung von solchen Maßnahmen nicht gemessen. Wir brauchen eine Zahlenbasis, mit der wir Erfolg messen können. Helfen könnte eine digitale zentrale (Informations)-Plattform nach dem israelischen Vorbild Startup Nation Central (https://www.startupnationcentral.org).

Der Referent

Adrian Thoma / Foto: Pioniergeist

Adrian Thoma ist ein Insider der Startup-Szeme in Deutschland. Er selbst ist erfolgreicher "Mehrfach"-Gründer. Sein heutiges Unternehmen "Pioniergeist" baut in enger Partnerschaft mit etablierten Konzernen und Mittelständlern aus Baden-Württemberg systematisch Startups auf. Adrian Thoma ist Mitglied des Bundesverbands Deutsche Startups e.V.

In seinem Referat „Die Startupszene in Baden-Württemberg – Aktuelle Heraus-forderungen und Ausblick“ fasste er mit fünf Leitfragen die Heraus-forderungen zusammen, auf welchem Weg Baden-Württemberg attraktiver für Startups werden kann:

  • Wie schaffen wir eine Exzellenz-Förderung und verhindern eine Überforderung?
  • Wie und mit welcher Zahlen-basis messen wir Erfolg?
  • Wie bringen wir junge Menschen frühzeitig in Kontakt mit Unternehmertum?
  • Wie verbinden wir die baden-württembergische DNA mit dem Startup-Spirit?
  • Wie werden wir ´sexy` für Gründer von außerhalb?

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