16.02.2019 14:53:00
von Dr. Jutta Schmitz-Rixen

Die Senioren-Union Ladenburg mit ihrer Vorsitzenden Dr. Jutta Schmitz-Rixen bietet desöfteren eine Plattform zum Wissens- und Gedankenaustausch, auch zu wissenschaftlichen respektive technischen Themen. Der Ladenburger Senioren-Union sowie ihren Interessenten gehören nämlich viele Naturwissenschaftler an: Ingenieure, Maschinenbauer, Physiker und Chemiker, die über ein Erfahrungswissen aus der gesamten Stromindustrie und Forschung in Mannheim/ Ludwigs-hafen und dem übrigen Baden-Württemberg verfügen. Die Senioren-Union will stets in ihren öffentlichen Veranstaltungen zum Mitdenken anregen, gerade bei hochaktuellen Themen.

Was ist unseren Kindern und Enkelkindern zumutbar?

Im vollbesetzten Domhofsaal in Ladenburg begrüßte die Vorsitzende der Senioren-Union-Ladenburg, Dr. Jutta Schmitz-Rixen, den Bürgermeister Stefan Schmutz, viele Stadträte, Kreisräte, Mandatsträger von der Senioren-Union und der Jungen Union aus dem Ländle.

Strom aus der Steckdose?
Dr. Jutta Schmitz-Rixen bat die Teilnehmer gemeinsam über den stets steigenden Stromverbrauch nachzudenken. Woher kommt der „Steckdosen“-Strom, wenn Atomkraft, fossile Energieträger einschließlich Erdgas und auch die Pumpspeicherkraftwerke die Akzeptanz der Gesellschaft zu verlieren scheinen? Oder wenn im Elektromobil die Zukunft gesehen wird, dessen Zuliefer-Energie aber weder emissionsfrei ist noch die Besorgung der Rohstoffe für die benötigten Batterien gesellschaftspolitisch wie umweltpolitisch problemfrei ist, wie das quasi Monopol der Kobalterzgewinnung mit Kinderarbeit und die Lithiumgewinnung aus korruptionsgefährdeten Staaten. Ebenso ist die „Endlagerung“, die Abfallbeseitigung der Batterie, noch „ungelöst“. Sollte man nicht lauter rufen nach mehr Wald und Grünflächen gar Aufforstung der Sahara, statt weiter die Abholzung von Regenwäldern zu dulden? Kann die Energiewende, so wie sie bisher läuft, funktionieren, und welche Lösungen gibt es?

Dr. Schmitz-Rixen übergab an die Referenten mit der Feststellung: "Menschen wollen leben, müssen aber auch `von etwas leben` können, um die Natur erleben zu können. Der Hauptreferent des Abends, Dr. Markus Binder, ist seit März 2017 Finanzvorstand der Lausitz Energie Bergbau AG sowie der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) in Cottbus. Davor war er sieben Jahre lang im Vorstand der Großkraftwerk Mannheim AG, tätig für den kaufmännischen Bereich. Bereits 2016 hielt er im Domhofsaal einen sehr publikumsbeachteten Vortrag über den Block 9 des GKM und informierte, warum er für die Energiewende erforderlich ist.

Konsequenzen der Energiewende
Dr. Markus Binder äußerte gleich im ersten Satz, dass alle Revierpläne in Deutschland spätestens bis 2050 das Ende der Verstromung aus Braunkohle vorsehen und damit vollständig kompatibel zum Pariser Klimaschutzziel sind. Der Anteil der CO2-Emission durch deutsche Braunkohle an der weltweiten CO2-Emission habe 1990 noch 1,66% betragen, im Jahr 2018 aber nur noch 0,47%. Er verwies darauf, dass weltweit der Kohleausbau stetig ansteige. In Ländern wie Indien und China ist eine Steigerung der Kohleverbrennung von 20 – 30% geplant.
Binders Analyse der verbleibenden gesicherten Kraftwerksleistung in Deutschland zeigt, dass das energiepolitische Zieldreieck, bestehend aus den Zielen: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz deutlich verfehlt wird. Schon im Jahr 2020 wird Deutschland keine ausreichend gesicherte Leistung mehr haben, auch wenn die Netzreserve und die Braunkohlekraftwerke, die in Sicherheitsbereitschaft sind, berücksichtigt werden. Die Kosten der jetzigen „Energiewende“ sind schon bei der „Stromwende“, alleine durch die EEG-Förderung außer Kontrolle geraten. Weitere Kostensteigerungen stehen noch aus, wie z.B. für den Ausbau der Netze und den Bau von Speichern. Das Klimaschutzkonzept der Bundesregierung stößt zunehmend auf Widerstand in der Bevölkerung, z.B. bei Windkraftgegnern.
Die großen Hoffnungsträger sogenannter regenerativer Energien, die Fotovoltaik und Windanlagen, unterliegen starken unkontrollierbaren Leistungsschwankungen. Sie produzieren bei Ausbleiben von Wind und Sonne nahezu keinen Strom mehr und führen zu den sogenannten „Dunkelflauten“. Diese können von einigen Stunden bis mehreren Wochen anhalten. Für diese Versorgungslücken muss ein Versorgungssystem bereit gehalten werden, das aus konventionellen Stromerzeugern – Atom, Gas, Kohle - besteht und 100% des deutschlandweiten Strombedarfs jederzeit unverzüglich liefern kann. Alleine aus den Lausitzer Braunkohlekraftwerken der LEAG stammt heute rund jede zehnte in Deutschland benötigte Kilowattstunde Strom.
Sollte der Wegfall an Bereitstellungskapazität der zuverlässigen Kohlekraftwerke aus Klimagründen durch teuren Strom aus Gaskraftwerken bereitgestellt werden? Bei genauem Hinsehen wird erkennbar, dass Strom aus sibirischem oder amerikanischem Erdgas keineswegs „klimafreundlicher“ ist als Strom aus Braunkohle. Auf den langen Wegen des Erdgases vom Ort der Gewinnung bis zum Ort der Verstromung wird beispielsweise Methan freigesetzt, sodass die im Verbrennungsprozess gegenüber Kohle eingesparte CO2-Emission durch die höheren Emissionen bei Förderung und Transport egalisiert wird. Derartige negative Vorketten-Effekte fallen bei der Braunkohle, die direkt auf kürzestem Weg aus der Grube in das Kraftwerk gefördert wird, nicht an. Die Gesamtbilanz bleibt also nahezu gleich.

Nicht erreichbare Klimaziele
Ko-referent war Dr. Hans Alsmeyer, ehemals Karlsruher Institut für Technologie, der im Ladenburger Domhofsaal 2011 und 2013 Vorträge zu jeweils aktuell brisanten Themen hielt. Auch er ist ein sehr geschätzter Redner, gelingt es ihm doch zu sehr diffizilen Themen wie Kernschmelze (2011 Fukushima) und schwer verstehbare, aber uns alle betreffende, Vorgänge in verständlicher Sprache zu erklären. Dr. Alsmeyer referierte über die Klimaziele der Weltklimakonferenz 2015 in Paris und in Kattowitz im Nov. 2018. Die Temperaturerhöhungen sollen weltweit begrenzt werden, d.h. die CO2-Emissionen müssten entsprechend den Klimamodellrechnungen drastisch gesenkt werden. Tatsächlich aber steigen die Emissionen weiterhin bis 2030 um weitere 30%. Damit sind aber die gesteckten Ziele völlig unerreichbar. Die letzte Konferenz hat „Transparenzregeln“ für die Registrierung der Emissionen beschlossen, die im 5-jährlichen Rhythmus überprüft werden sollen, in einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Der Anstieg der CO2-Emissionen, d.h. die Zunahme des Verbrauchs von Kohle, Öl und Gas beruht auf der Zunahme der Weltbevölkerung sowie auf der positiv zu sehenden wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer.
Deutschlands Anteil an den weltweiten Emissionen beträgt 2,1%. Welche Klimaziele Deutschland auch immer umsetzt, sie werden die globale Situation nicht verändern.

Risiken der Energiewende
Dr. Jutta Schmitz-Rixen wies darauf hin, dass die sogenannte „Kohle-Kommission“ offiziell „Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ heiße, ein Euphemismus sei, eine Beschönigung des eigentlichen Problems „Arbeitsplatzabbau“ und daraus eventuell resultierender, gesamtgesellschaftlicher Probleme: wie Landtagswahlergebnisse im Osten im Herbst 2019. Bereits im Herbst 2018 hatte der Bundesrechnungshof gewarnt vor mangelnder Versorgungssicherheit, Techniken und Preisen (von EEG-Subventionen, Entschädigungen bis zu Strukturhilfen). Schon in 2018 mussten mehrfach stark energieabhängige Produktionen zur „Netzstabilisierung“ zeitweise abgeschaltet werden, was immense Verluste in der Produktion zur Folge hat. Deutschland geht hier ein sehr hohes Risiko ein. Dass damit ein Beispiel für die übrige Welt gegeben wird und eine globale Energiewende begründet wird, erscheint anlässlich der hohen technischen Komplexität und der extremen Kosten sehr zweifelhaft, ist das Fazit von Dr. Hans Alsmeyer.

Die Senioren sind in Sorge um die Energie-Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit für unsere Kinder und Enkel. Deutschland hat als einzigen „Rohstoff“ die bekannte verlässliche deutsche Ingenieurskunst. Wir sind in Sorge, dass „Dunkelflauten“ unseren Industriestandort nachhaltig gefährden könnten und damit unsere Kinder in eine dunkle, ungewisse Zukunft gehen würden.

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