In einem sehr bewegenden Vortrag führte Dr. Wolfgang Gall – anhand der von ihm verfassten Biografie – durch die ersten 40 Jahre (1894 – 1933) des sehr bewegten Lebens seiner Großmutter Sofie Uhl. Er konnte dabei auf viele Dokumente, Briefe und Fotos zurückgreifen, die lange in einer Kommode seiner Eltern schlummerten.
Auch er als Enkel hatte nie von seiner Oma über ihr vielseitiges Leben erzählt bekommen. Nach dem intensiven Studium der gefundenen Unterlagen würde er sie als „resolute, aber immer liebenswerte, freundliche und sehr katholische Dame“ beschreiben, „die Ruhe, Bescheidenheit und eine innere Zufriedenheit ausstrahlte.“ Sie war als junge Frau in Rastatt und Berlin bei einer Hauptmannsfamilie als Kindermädchen „in Stellung gegangen“, die den Sommer im mondänen Ostseebad Zoppot verbrachte. Nach dem Tod dieses Familienoberhauptes kehrte sie nach Offenburg zurück und wurde eine der ersten staatlichen Beamtinnen. Zunächst als „Aushilfsschreibgehilfin“ eingestellt, hatte sie bei der Staatsanwaltschaft einen so guten Eindruck hinterlassen, dass sie eine Festanstellung bekam, die sogar dazu führte, dass Sofie an den Ermittlungen nach der Ermordung des Reichsfinanzministers Matthias Erzbergers dabei war. Mit ihrer Eheschließung im Alter von 30 Jahren endete Sofies Berufsleben – auch das ein Zeitspiegel. Sie engagierte sich im Frauenbund, pflegte Vater und Schwiegervater, kümmerte sich später um den Enkelsohn – der ihr mit der Biografie zwar kein Denkmal setzte, sondern anhand ihrer Lebensgeschichte die ersten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts lebendig werden lässt.
Die Vorsitzende der SU-Stadtgruppe Offenburg, Frau Rieß-Raderscheid, bedankte sich sehr herzlich bei Dr. Gall für diese imposante Zeitreise, die einen beeindruckenden Einblick in die Region Offenburg und das Leben zu Beginn des 20 . Jahrhundert gegeben hat.
Titelbild: Frau Rieß-Raderscheid bedankt sich bei Herrn Dr. Wolfgang Gall für seinen Vortrag (Foto: Johanna Beller)
Die Senioren-Union Baden-Württemberg setzt Impulse