Senioren-Union Rottweil am 16. Juni 2026 im Schornsteinfegermuseum Villingendorf
Einen hoch interessanten Nachmittag hatten die Mitglieder der Senioren-Union Kreisverband Rottweil beim Besuch des Schornsteinfegermuseums „Nicht nur schwarz“ in Villingendorf. Museumsgründer und Schornsteinfegermeister Stefan Sekinger führte die Gruppe durch das in Deutschland einzige Privatmuseum dieser Art, welches er in gemeinsamer Sammlerleidenschaft zusammen mit seiner Frau Ela in Jahrzehnten aufgebaut hat. Kompetent und humorvoll vermittelte er aus bereits 44-jähriger Berufstätigkeit tiefe Einblicke in Geschichte und Gegenwart des Schornsteinfegerhandwerks.
Das Berufsbild hat sich im Laufe der Zeit verändert. Bis 1904 bestand die Tätigkeit der Schornsteinfeger nahezu ausschließlich in der Reinigung von Kaminen und Feuerstätten. Heute gehören vor allem auch Mess-, Kontroll- und Überwachungsaufgaben zum Arbeitsalltag. Neben der Feinstaubanalyse wird vor allem überprüft, ob Heizungsanlagen ordnungsgemäß arbeiten und ob unzulässige Stoffe verbrannt werden. Für die Kaminreinigung nach wie vor unverzichtbar sind Besen, Kratzeisen, Mundtuch und Leiter, die den Besuchern demonstriert wurden. Dazu gehört auch der „Zunftkrug“. In Rottweil bilden die Schornsteinfeger mit den Platten- und Fliesenlegern eine gemeinsame Zunft. Das Koppelschloß zeigt wie bei der Feuerwehr den Schutzheiligen Florian.
Aktuell bleibt die Brandverhütung ein wichtiges Thema. Stefan Sekinger warnte insbesondere vor dem Verbrennen von Reisig, Gartenabfällen oder ausgedienten Christbäumen in Öfen. Die dabei entstehenden Ablagerungen können zu gefährlichen Schwel- und Kaminbränden führen und zählen nach wie vor zu den häufigsten Brandursachen.
Die Teilnehmerfrage, weshalb Schornsteinfeger traditionell als Glücksbringer gelten, wurde mit dem Brandschutz als Folge der Arbeit des Schornsteinfegers erklärt. Die verheerenden Stadtbrände in früheren Jahrhunderten haben das Problembewußtsein gestärkt und zur Kehrpflicht geführt, seit 1545 in Augsburg, seit 1721 in Württemberg und seit 1700 nach dem Stadtbrand in Rottweil. So haben in den folgenden Jahrhunderten Schornsteinfeger wesentlich zur Brandsicherheit in Städten und Gemeinden beigetragen. Im Museum ist neben anderen seltenen Exponaten eine Kaminkehrermarke aus dem Jahr 1551 ausgestellt.
Überrascht waren die Besucher von der außerordentlichen Fülle und Vielfalt der gezeigten Sammlung in unterschiedlichen Räumen an historischen Arbeitsgeräten, Abbildungen und schriftlichen Zeugnissen aus früheren Zeiten, darunter das Wanderbuch eines Schornsteinfegers oder eine Rechtsordnung für die Zunft im Königreich Württemberg. Nach allem wurde deutlich, daß hinter dem schwarzen Glücksbringer eine jahrhundertealte Geschichte steht und er für die Gegenwart ebenso unverzichtbar ist.
In geselliger Runde beim anschließenden Kaffee und Kuchen im Museumscafe dankte Rainer Hezel Herrn Sekinger für die meisterhafte Informationsveranstaltung, deren Besuch allseits empfohlen werden kann.