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Obst, Kunst und Kultur am Bodensee

23. Mai 2026
von Herbert Stahl

Bodenseereise SeniorenUnion Kreisverband Rottweil 20.05.2026

Der Kreisverband Rottweil der Senioren-Union unternahm am 20. Mai 2026 bei kühlem und trockenem Wetter eine informative und abwechslungsreiche Busfahrt an den Bodensee. Auf den vom Traktor gezogenen Wagen mit Holzbänken führte der Betriebsinhaber einer Obstplantage bei Überlingen die Teilnehmer durch seine weiträumige Anlage. Mit seinen umfangreichen Erläuterungen zur Geschichte des Obstanbaus und den konkreten Erfordernissen in der Bodenseeregion erhielten die Teilnehmer bei mehreren Halts im Gelände weitreichende Einblicke in den heutigen Obstanbau, vorwiegend die heimischen Apfelsorten Elstar, Jonagold, Gala und Delba. Der anspruchsvolle Verbraucher wünscht makellose Früchte in genormten Größen, diese werden mit computergestützten Sortieranlagen ausgewählt. Äpfel, die den Normen nicht entsprechen, werden zu Apfelsaft oder Most verarbeitet. Weitere technische Hilfsmittel, etwa Apfelpflückmaschinen, gibt es noch nicht, deshalb ist in diesem Arbeitsbereich intensive Handarbeit erforderlich.

Die Apfelbäume, ursprünglich ein Strauchgewächs, dann durch menschliche Pflege zu Bäumen mit typischer Baumkrone entwickelt, dürfen heutzutage nur noch so hoch wachsen, dass sie von Hand geerntet werden können. Nach rund 18 Jahren werden die Flächen gerodet und neu bepflanzt. Der Baumschnitt verbleibt als natürlicher Bodenschutz in der Anlage und erspart Düngung. Nach einer Neupflanzung liefert ein Baum bereits nach rund drei Jahren einen guten Ertrag. Für einen Vollerwerbsbetrieb sind heute etwa 30 Hektar, pro Hektar rund 3.000 Bäume, erforderlich, der angestrebte Vollertrag liegt bei etwa 45 Tonnen. Durch regelmäßige Pflegeschnitte wird dafür gesorgt, dass genügend Sonnenlicht an die Früchte gelangt. Bei der notwendigen Bestäubung sind vor allem die Hummeln wichtig, weil sie, anders als Bienen, bereits ab Temperaturen von etwa 8 Grad Celsius aktiv sind. Die meisten Plantagen sind heute großflächig mit Schutznetzen gegen Hagel und Schädlingsbefall versehen, eine sehr hohe Betriebsausgabe.

 

Anschließend besichtigten die Teilnehmer mit einer besonders sachkundigen Führerin das Münster St. Nikolaus in Überlingen. Die imposante fünfschiffige Kirche beeindruckt mit ihren wertvollen Altären und kunstvollen Malereien. Ein besonderes Kleinod ist der Hochaltar aus unbemaltem Lindenholz, der 1613 von dem Bildhauer Jörg Zürn und seiner Familie geschaffen wurde. Der rund zehn Meter hohe Altar erstreckt sich über vier Ebenen und besteht aus 23 lebensgroßen sowie 50 kleineren Figuren. Da diese nicht fest verbaut sind, wirkt der Altar besonders lebendig und leicht.

Auf der Rückfahrt hielt die Gruppe oberhalb von Überlingen an der Gedenkstätte des Flugzeugunglücks vom Juli 2002 an. Damals waren in großer Höhe durch menschliches Versagen eine Frachtmaschine und eine russische Passagiermaschine zusammengestoßen. Bei dem Absturz verloren 71 Menschen, darunter 47 Kinder auf ihrer Ferienreise, ihr Leben. In der bewegenden Erinnerung an diese Tragik beteten die Teilnehmer gemeinsam ein Vaterunser.

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